Amie Lin

Berlin

Amie Lin

Amie Lin (*1978, Taipei) ist eine bildende Künstlerin mit taiwanesisch-amerikanischen Wurzeln, die seit Anfang 2014 in Berlin lebt und arbeitet. Vor Deutschland hat sie in Taipei, Los Angeles, London, Florenz, Shanghai, Amsterdam und New York gelebt. Lin hält Abschlüsse in Psychologie und Grafikdesign der Universität Los Angeles (UCLA) aus dem Jahr 2001. Im Jahr 2005 schloss sie ihr Masterstudium in Kommunikationsdesign des Pratt Institute in New York ab. Das letzte Jahrzehnt hat Amie Lin erfolgreich als Senior Art Director in der Modebranche gearbeitet. Trotz einer florierenden Karriere in der Werbung verlor Amie Lin ihr Schaffen als Künstlerin nie aus den Augen.

 

Zwischen westlicher und östlicher Kultur aufgewachsen hat sie eine Perspektive eingenommen, Die beide Welten einschliesst, ohne sich der Beschränkung und Befangenheit einer Seite auszusetzen. In dem ihrem Loft angegliederten Studio in Brooklyn arbeitete sie kontinuierlich an ihren Werken und wandte das Wissen und die Fertigkeiten aus der kommerziellen Welt in ihren persönlichen Projekten an. Seit ihrer Ankunft in Berlin widmet sie sich ausschließlich der Kunst. Amie Lins Werke wurden bereits in den Vereinigten Staaten, Asien und Europa ausgestellt.

 

Amie Lin Artist Statement

Bevor ich den Weg als Künstlerin einschlug habe ich Psychologie in Los Angeles studiert. Während dieser Zeit bin ich auf Carl Jungs Arbeiten zum Schatten gestoßen. Laut Jung trägt jeder Mensch einen “Schatten” - eine unbewusste Schicht einer Persönlichkeit, die unter der kontrollierten Oberfläche des bewussten Geistes lauert. Diese Seite einer Person ist mit einem primitiveren, animalischen Instinkt verbunden, der in früher Kindheit verdrängt wird. Jung glaubte, dass Interaktionen mit dem Schatten in Träumen Licht auf den Zustand des Geistes werfen können.

 

Motiviert von meiner Faszination des Schattens ist meiner Arbeit eine Untersuchung der dunklen Aspekte meines eigenen Unterbewusstseins. Meine Farbpalette ist üblicherweise sehr limitiert - schwarz ist die vorherrschende Farbe. Als Materialien bevorzuge ich solche mit primitiven Qualitäten wie rohe Wolle, Holz und Seide. Mitunter füge ich diese Materialien in Schichten übereinander, um die verschiedenen Ebenen des Unbewussten zu repräsentieren. Ebenso geniesse ich die direkte Gegenüberstellung von hart und weich, z.B. die Kombination von Seide und rostigem Metall.

 

Für die Serie “Lamb Girl” habe ich mich der Metapher des “schwarzen Schafes” angenommen. Sie drückt meine Angst aus, eine Ausgestoßene zu sein. Als Introvertierte in einer Immigrantenfamilie aufzuwachsen bescherten mir einige markante Erfahrungen mangelnder Zugehörigkeit und Ausgrenzung. Die Mädchen in meinen Portraits sind teils Frau und teils Schaf, wobei das Schaf die untergetauchten animalischen Instinkte verkörpert. Obwohl die Porträits meiner Subjekte die Leinwand ausfüllen und sehr präsent wirken, sind sie gleichzeitig den Blicken eines neugierigen Publikums gegenüber verschleiert. Jedes einzelne lauert im schwer fassbaren Raum zwischen Traum und Realität.